Woche der Klimaanpassung: Waldklimaspaziergang zeigt, wie sich die Forstwirtschaft auf den Klimawandel einstellt
Bad Honnef. Wie können sich Städte und ihre Bürgerinnen und Bürger auf die Folgen des Klimawandels einstellen? Im Rahmen der diesjährigen bundesweiten Woche der Klimaanpassung vom 14. bis 20. September bot die Stadt Bad Honnef verschiedene Möglichkeiten, sich über Klimaanpassung zu informieren und mit Fachleuten ins Gespräch zu kommen. Neben einem Klimaspaziergang in Aegidienberg und einem gemeinsamen Klima-Pubquiz mit der Stadt Königswinter stand dabei insbesondere der Wald im Mittelpunkt: Bei einem Waldklimaspaziergang erhielten 15 Bürgerinnen und Bürger anschauliche Einblicke in die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald und die Arbeit der Forstwirtschaft.
Gemeinsam mit dem Bad Honnefer Stadtförster Georg Pieper und dem Revierleiter des Forstbetriebsbezirks Eudenbach, Michael Trippe, ging es rund zwei Stunden durch den städtischen Wald. An verschiedenen Stationen erläuterten die beiden Förster, wie sich die klimatischen Veränderungen bereits heute auf den Wald auswirken und vor welchen Herausforderungen die Forstwirtschaft steht. Denn Trockenheit, Hitze, Stürme und Schädlinge setzen den Wäldern zunehmend zu. Besonders die vergangenen trockenen und heißen Jahre haben bei vielen Bäumen deutliche Spuren hinterlassen. Gleichzeitig spielt der Wald eine wichtige Rolle für den Wasserhaushalt, das lokale Klima, die Artenvielfalt und die Lebensqualität in Bad Honnef.
Ein Schwerpunkt des Spaziergangs lag daher auf den Möglichkeiten des Waldumbaus. Die Förster zeigten, wie durch Naturverjüngung und gezielte Pflanzungen die Entwicklung vielfältiger und klimaresilienterer Wälder unterstützt werden kann. Auch die Auswahl geeigneter Baumarten und der Umgang mit der zunehmenden Waldbrandgefahr waren Themen der Führung.
„Im Wald müssen wir in sehr langen Zeiträumen denken und planen. Anders als Landwirte können wir nicht jedes Jahr eine neue Pflanzenart auf einer Fläche anbauen, wenn die vorherige nicht funktioniert hat. Aufgrund des aktuellen Klimabildes ist Risikostreuung die beste Option, denn was in ein- bis zweihundert Jahren sein wird, ist nicht absehbar“, skizziert Georg Pieper den Grundgedanken des Waldumbaus.
Die zahlreichen Fragen der Teilnehmenden zeugten von großem Interesse und es entwickelten sich lebhafte Gespräche und Diskussionen. Dabei ging es unter anderem darum, welche Baumarten mit den veränderten Bedingungen besser zurechtkommen, wie sich die natürliche Verjüngung des Waldes entwickelt, wie die Forstwirte mit kranken oder abgestorbenen Bäumen umgehen und wie der Wald der Zukunft in einem sich ändernden Klima aussehen könnte.
Ebenfalls ausgiebig diskutiert wurde der Rohstoff Holz. Dieser kann CO₂ langfristig binden und bei entsprechender Nutzung fossile sowie andere emissionsintensive Baustoffe ersetzen. Dabei ist die Herkunft des Holzes wichtig, wie Förster Michael Trippe weiß: „In Deutschland lebt die Forstwirtschaft seit über 300 Jahren den Gedanken der Nachhaltigkeit. Würden wir unseren Holzbedarf durch Importe decken, würde der Rohstoff vielfach aus Kahlschlagwirtschaft in Ländern stammen, in denen keine Rücksicht auf die vielfältigen Belange und Aufgaben des Waldes genommen wird.“
Von der Anpassung an Hitze und Trockenheit über die Förderung der Artenvielfalt bis hin zur Nutzung des Holzes wurde deutlich: Der Wald erfüllt zahlreiche Funktionen, die miteinander in Einklang gebracht werden müssen. „Der Wald ist ein wichtiger Bestandteil unserer Stadt: Er ist Lebensraum, Klimaschützer, Wasserspeicher und Erholungsort. Gleichzeitig erleben wir, dass der Klimawandel den Wald vor große Herausforderungen stellt. Der Spaziergang hat gezeigt, wie wichtig es ist, diese Veränderungen sichtbar zu machen und gemeinsam darüber ins Gespräch zu kommen“, sagt Klimaanpassungsmanager Ilja Illert.
Die Veranstaltung bot damit nicht nur Einblicke in die praktische Arbeit der Forstwirtschaft, sondern auch die Gelegenheit, den Wald im Siebengebirge aus einer neuen Perspektive kennenzulernen.


