Villa Schaaffhausen und Park werden zum Leben erweckt – bis zu 30 neue Wohnungen entstehen

Lange lagen die Villa Schaaffhausen und ihr Park im Dornröschenschlaf, aber mit dem Satzungsbeschluss, den der Rat der Stadt Bad Honnef gefasst hat, kann es losgehen: Villa und Park können denkmalgerecht saniert werden und im oberen, also nordöstlichen Geländeteil werden vier Wohnhäuser entstehen. Mit dem Durchführungsvertrag wird auch die öffentliche Nutzung des Parks erstmals gesichert. Der Erhalt der Römerquelle an der Schaaffhausenstraße, aus der Generationen geschöpft haben, wird ebenfalls gesichert. Beides kommt der Attraktivität des Stadtteils zu Gute.

Bürgermeister Otto Neuhoff unterstreicht die Bedeutung, die der Durchführungsvertrag mit dem Vorhabenträger hat: „Villa und Parkanlage werden durch den Bebauungsplan ausdrücklich im Bestand erhalten und damit geschützt. Die gelockerte Randbebauung erhält die Sichtachsen auf die historische Villa Schaaffhausen.“ Die Sanierung von Villa und Park wird gegenüber der Stadt mit Bürgschaften abgesichert.

Mit der Wirksamkeit von Bebauungsplan und Vertrag setzen Fristen ein, wonach das aufwändige Gesamtprojekt aus Neubau und Sanierungen im Regelfall in einem Zeitraum von maximal etwa vier Jahren abgeschlossen werden soll. In den Neubauvorhaben entstehen dabei bis zu 30 neue Wohnungen über einer Tiefgaragenanlage. Die denkmalgeschützte Villa soll durch Wohnnutzungen und ebenso zulässige Praxis- und Büroräume wieder zum Leben erweckt werden.

Damit geht ein langes Verfahren zu Ende. Nachdem frühere Planungsanläufe und Bebauungsideen gescheitert waren, hat der zuständige Ausschuss für Stadtentwicklung, Planen und Bauen im April 2015 ein neues Verfahren zur Aufstellung eines Bebauungsplanes in Gang gesetzt. Hintergrund waren zum einen ein Wechsel bei den Eigentums- beziehungsweise Erbbaurechtsverhältnissen, zum andern die Sorge um den Leerstand und möglichen Verfall der denkmalgeschützten Villa und Parkanlage.

Seitdem standen Bürgerversammlung, zwei öffentliche Auslegungen des Planentwurfs, aufwändige Begutachtungen zu Umweltbelangen sowie intensive Abstimmungen unter anderem zu Denkmalschutzanforderungen auf der Agenda. Alle privaten und öffentlichen Belange der städtebaulichen Entwicklung wurden untereinander und gegeneinander abgewogen, wie es zur Aufgabe der kommunalen Planung und den dazugehörigen Beschlüssen gehört. Das Ergebnis war der Satzungsbeschluss über den Bebauungsplan „Villa Schaaffhausen“ des Rates am 4. Juli 2019 bei 31 gegen 2 Stimmen bei 2 Enthaltungen, mit dem grünes Licht für das Gesamtprojekt gegeben wurde.

Auszug aus dem Inhalt des Durchführungsvertrages und den dort geregelten Verpflichtungen des Vorhabenträgers in Stichworten:

  • Bau einer Tiefgarage mit 42 Stellplätzen für die Nutzerinnen und Nutzer der vier Neubauten durch den Vorhabenträger,
  • Einreichung prüffähiger Bauanträge für die Neubauten 12 Monate nach Inkrafttreten des Bebauungsplanes (vorhabenbezogen),
  • Beginn der Realisierung der Neubauvorhaben 6 Monate nach der Bestandskraft der Baugenehmigungen,
  • Fertigstellung der Neubauvorhaben im Regelfall innerhalb von 2 Jahren nach Baugenehmigung,
  • Rückbauverpflichtung von Seiten des Vorhabenträgers bei Nichterfüllung des Vertrages,
  • Sanierung der Fassaden, Dächer, Dachaufbauten, Fenster und Außentüren der Villa im Sinne des Denkmalschutzes,
  • Wiederherstellung bzw. Neuanlage des öffentlich zugänglichen Teils der Parkanlage, freier Zugang mindestens in der Zeit von 8:00 bis 19:00 Uhr und im Winter bis 18:00 Uhr,
  • Erhalt des „Römerbrunnens“ an der Schaaffhausenstraße,
  • Wiederherstellung der Pkw-Stellplätze auf dem Gelände der Villa,
  • Abschluss der Sanierung von Villa und Park spätestens ein Jahr nach Fertigstellung der Neubauten,
  • Vorlage von hohen Bürgschaften für die Sanierung.
  • Der Vorhabenträger richtet eine ökologischen Baubegleitung ein.

Sämtliche Planungs-, Gutachter- und Durchführungskosten werden vom Vorhabenträger übernommen. Die konkreten Bauanträge für die Neubauten und die Sanierung werden nun in der Regie des Vorhabenträgers erstellt.

Informationen zum beschlossenen Bebauungsplan gibt es im Fachdienst Stadtplanung, Fachdienstleiter Dirk Wiehe, Telefon 02224/184-246 oder E-Mail

 

Foto: Ausblick auf den Drachenfels vom Stadtteil Rommersdorf-Bondorf mit Villa Schaaffhausen

 

Geschichte: Villa Schaaffhausen

Wahrscheinlich gab es auf dem Gelände seit dem Mittelalter eine Burganlage.

Die Besitzung Schaaffhausen ist aus zwei Weingütern entstanden:
oberes Gut: Familie Hagen
unteres Gut: Familie Franken

1770 Der kurfürstlich, kölnische Prokurator und kaiserliche Notar Peter Gottschalk Wasserfall kauft beide Güter und errichtet ein neues Haus.

1818 Villa geht in den Besitz des Kölner Buchhändlers Lambert Bachem über, dessen Frau die Adoptivtochter und Erbin Wasserfalls war.
Lambert Bachem ist Weinhändler und Apotheker. Er gibt eine Zeitung heraus.

1825-1836 William Dawson, Schwiegersohn des Herzogs von Wellington, wohnt im Haus. Um 1830 legte er den Park an.

1841 Lewis Agassiz, englischer Seekapitän, erwirbt das Haus für 10 966 Taler. Er ergänzt das Anwesen im Tudorstil.

26. Mai 1846 Hubert Schaaffhausen kauft das Gut für 18 000 Taler.
Er ist Kaufmann und Teilhaber der Firma Schaaffhausen und Dietz in Koblenz, eine Blechwarenfabrik, die Präsentierteller herstellt.

1847 Wasserleitung vom Anna-Tal wird angelegt.

Sohn Herrmann Schaaffhausen (1816-1893) erbt: Er war Mitbegründer der modernen Anthropologie und ordnete den im Jahre 1856 gefundenen Neanderthalerschädel richtig zu (Themenportal: www.schaaffhausen.com ).
Er lässt den Turm errichten, in dem eine Kapelle eingerichtet wurde.

1856 Der Rest des alten wasserfallschen Hauses wird abgerissen und durch den heute an der Straße gelegenen Südflügel ersetzen.

1871 Seine Frau Anna Maria stirbt.

1874 Zu ihrem Andenken baut Hermann Schaaffhausen den Rundtempel, also den Monopteros im Garten der Villa.

Um 1870 war das Haus Zentrum des gesellschaftlichen Lebens.

Er baut auch die Schaaffhausen-Kanzel: Als Ausblick auf Rhein und besonders das Anwesen selbst.

1893 Sohn Hubert Schaaffhausen, Geheimer Justizrat, erbt. Er wiederum überträgt das Erbe auf seine Schwestern.

1901-1903 der deutsche Kronprinz Wilhelm Victor August Ernst von Preußen (1882-1954) wohnt in der Villa als Student der Universität Bonn.

1926 Der Besitz geht an das Erzbistum Köln über. Maria Anna Veronika Schaaffhausen erhält Wohnrecht auf Lebenszeit

Nachkriegsjahre: Heimstatt für ausgebombte Kölner Familien

1957-1982 Kinderheim für die Pfarre St. Johann Baptist „Kinderheim zur Kleinen hl. Therese“, Leitung Gräfin Elisabeth von Strachwitz

1984 Ein  Familien- und Gesundheitszentrum (Fasten, Ayurveda-Behandlungen, Ökoland-Produkte) wird in privater Hand eingerichtet eingerichtet.

1984 Eintragung in die Denkmalliste

Das Familien- und Gesundheitszentrum wird bis 2012 weitergeführt.