Ferdinand Röder – Ein spannendes Theaterleben im 19. Jahrhundert

Seine letzten Lebensjahre bis zu seinem Tod im Jahr 1880 verbrachte Ferdinand Röder in Honnef. In der Austraße hatte er für sich, seine Ehefrau Annette und die schöne Stieftochter Mila eine Villa gekauft, nachdem er zunächst auf den großen Bühnen der Weltstädte als gefeierter Schauspieler aufgetreten war und später als erfolgreicher Theatermäzen ein rühriges Leben für die Kunst und das Theater geführt hatte. Die Villa gibt es nicht mehr. An ihn und seine Stieftochter Mila erinnert das Mausoleum auf dem Alten Friedhof in Bad Honnef. Die Büste der schönen Mila Röder, einst aus dem Mausoleum gerettet, ist im Bad Honnefer Rathaus ausgestellt.

Autorin Catrin Möderler hat wieder erstaunliche Recherche-Arbeit geleistet, um den Lebenslinien von Ferdinand Röder zu folgen. Im Buch „Ferdinand Röder – Ein Leben dem Theater“ werden die Stationen seines Lebens beschrieben. Leserin und Leser erhalten einen detailreichen Einblick in das 19. Jahrhundert und dessen Theaterwelt mit allen Facetten. Die Spekulationen der Autorin, wo sich eben keine Belege mehr finden lassen und ein Motiv nur erahnt werden kann, sind wohltuend bodenständig und plausibel. Ergänzt wird der stilvolle Text durch viele umfängliche und wörtliche Zitate aus Zeitungen und anderen Quellen in der Diktion des 19. Jahrhunderts, die ihren eigenen Charme entwickeln.

Die Autorin hat bereits ein ausführliches und erhellendes Buch über Mila Röder veröffentlicht und deren Geheimnisse gelüftet. In Bad Honnef ist Mila Röder wegen ihrer Schönheit und ihres tragischen Schicksals noch immer eine Legende.

Röder-Mausoleum auf dem Alten Freidhof

Stiefvater Ferdinand Röder war auch Milas Mentor und Theateragent gewesen. Für viele Künstlerinnen und Künstler war seine Tätigkeit enorm wichtig, weil er solide und günstige Verträge aushandelte. Er sicherte Autorenrechte und entdeckte Talente. Wohltätig und einsatzfreudig setzte er sich für Kunst und Personen ein. Catrin Möderler schätzt Ferdinand Röder sehr, denn bis heute profitieren Künstlerinnen und Künstler von seinen grundlegenden Maßnahmen, um Künstlerrechte durchzusetzen. Sie erklärt: „Er wusste, was und zu welchem Moment nötig war. Er war nie arbeitslos und bezog absolute Spitzengagen.“

Eine Schattenseite gab es: Sein Leben lang begleiteten ihn Anfeindungen und Verleumdungen. „Das ganz große Drama. Dieses Motiv zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Biographie des Ferdinand Röder. Sein Erscheinen ist niemals leise. Sein Erscheinen ist ausnahmslos mit wahrnehmbaren Turbulenzen verbunden.“ (Zitat aus „Ferdinand Röder. Ein Leben dem Theater“, Seite 36/37).

Mit ihrem Buch über Mila Röder hatte Catrin Möderler am 11. September 2018 begonnen. Auslöser war eine Visitenkarte, die die Autorin zufällig erstanden hatte, was zu weiteren Entdeckungen führte. Das Buch über Ferdinand Röder hatte Catrin Möderler genau ein Jahr später am 11. September 2019 begonnen. Spannend wird auch ihr nächstes Buch, das von Karl Blasel, österreichischem Schauspieler und Theaterdirektor, handeln wird. Karl Blasel war übrigens 1872 Partner von Mila Röder in der Operette „Schneeball“ von Jacques Offenbach, die im Carltheater in Wien aufgeführt wurde.

Innenansicht des Mausoleums: Decke

Im Buchhandel und im Internet erhältlich:
Catrin Möderler, Ferdinand Röder – Ein Leben dem Theater, tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, ISBN 978-3-347-04102-8,
265 Seiten, 25 Euro

Catrin Möderler, Mila Röder – Ein bühnenreifes Leben”, tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, ISBN 978-3-7482-9394-1,
236 Seiten, 25 Euro

Foto oben: Autorin Catrin Möderler im Innern des Mausoleums der Familie Röder  – auf der Stele das Bildnis von Ferdinand Röder.

(cp)