Ehrenamtliche werben bei Senioren für die Nutzung des Einkaufsservice

Nadine Batzella (links), Leiterin des Fachdienstes Soziales und Asyl, unterstützt die Informationskampagne für den Einkaufsdienst für Senioren.

Nadine Batzella, Leiterin des Fachdienstes Soziales und Asyl, unterstützt die Informationskampagne für den Einkaufsdienst für Senioren.

Schülerinnen und Schüler des Siebengebirgsgymnasiums, des Internats Hagerhof sowie weitere Ehrenamtliche der Stadt Bad Honnef unterstützen derzeit die Aufklärungsarbeit vor den Auswirkungen des Corona-Virus für Senioren. Seit Montag übergeben die Ehrenamtlichen am HIT-Markt an der Berck-Sur-Mer-Straße sowie am Edeka an der Himberger Straße in Aegidienberg mit persönlicher Ansprache Informationsflyer an die ältere Kundschaft, um sie für einen Einkauf durch die Familie, durch Freunde, durch Nachbarn oder durch den kostenlosen Einkaufsservice des Bad Honnefer Bündnis für Familie zu sensibilisieren. In den nächsten Tagen werden weitere Jugendliche auch vor den Discountern im Stadtgebiet auf die Angebote aufmerksam machen.

„Es geht um Leben und Tod“ – die alarmierende Beschreibung von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet für die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen ist angesichts der steigenden Zahl an Neuinfizierenden und Verstorbenen in Europa keine Übertreibung. Ein besonderes hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Verlauf der vom Corona-Virus ausgelösten Erkrankung COVID-19 haben Menschen in den sogenannten Risikogruppen, die das Robert-Koch-Institut definiert hat: „Das Risiko einer schweren Erkrankung steigt ab 50 bis 60 Jahren stetig mit dem Alter an. Insbesondere ältere Menschen können, bedingt durch das weniger gut reagierende Immunsystem, nach einer Infektion schwerer erkranken.“ Auch Personen Grunderkrankungen wie Herzkreislauferkrankungen, Atemwegserkrankungen, Stoffwechselerkrankungen wie zum Beispiel Diabetes haben ein erhöhtes Risiko. Bei Personen mit Grunderkrankungen und einem fortgeschrittenen Lebenshalter steigt das Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf laut Robert-Koch-Institut noch einmal an.

Umso wichtiger sei es nun, die Personen der Risikogruppe auf die kostenlosen, vertrauensvollen Alternativen aufmerksam zu machen, betont Nadine Batzella, die als Leiterin des Fachdienstes Soziales und Asyl in der Koordination der rund 120 ehrenamtlichen Helfer im Stadtgebiet eingebunden ist: „Es ist alles andere als ein Zeichen der Schwäche, in dieser besonderen Zeit der Corona-Pandemie die Einkäufe und Besorgungen durch andere, weniger gefährdete Personen erledigen zu lassen. Und doch wird dieses unkomplizierte Angebot derzeit noch weitaus weniger angenommen als es notwendig wäre.“

6701 Bad Honneferinnen und Bad Honnefer sind derzeit 60 Jahre alt oder älter. Ihr Anteil an den 27.498 Personen, die ihren Haupt- oder Nebenwohnsitz in Bad Honnef angemeldet haben, beträgt etwa 24,37 Prozent. In den vergangenen Wochen haben erst insgesamt 36 Personen vom Einkaufsservice gebraucht gemacht.

Viele der angesprochenen Senioren sehen sich selbst nicht in der Risikogruppe oder wollen sich das Ritual des eigenständigen, selbstbestimmten Einkaufs trotz des Risikos nicht nehmen lassen, haben Annika Lehnert (20), Julius Schwering (22) und Stella Batzella (18) bei ihrer ersten Schicht vor dem HIT-Markt festgestellt. „Es ist schwierig, die Leute zu überreden. Die meisten kennen und haben den Flyer bereits“, hat Stella Batzella festgestellt: „Einige sagen, dass die eigenen Kinder die Einkäufe erledigen würden, holen sich dann aber einen Einkaufswagen und gehen selbst noch einmal einkaufen.“ Eine Beobachtung, die Annika Lehnert und Julius Schwering teilen. „Für viele Senioren ist Einkaufen eine Freizeitbeschäftigung“, resümiert Annika Lehnert, „und vermutlich ist das Virus noch nicht im Freundes- und Bekanntenkreis angekommen, sodass die Gefahr unterschätzt wird. Manche der angesprochenen Senioren reagieren abweisend – wir lassen uns aber nicht entmutigen.“