Sylvia Löhrmann sitzend beim Eintrag ins Goldene Buch, Bürgermeister Otto Neuhoff stehend, Harfenspielerin

Auftaktveranstaltung Erinnerung und Gegenwart jüdischen Lebens in Bad Honnef

Sylvia Löhrmann sitzend beim Eintrag ins Goldene Buch, Bürgermeister Otto Neuhoff stehend, Harfenspielerin

Sylvia Löhrmann trägt sich in das Goldene Buch der Stadt Bad Honnef ein (mit: Bürgermeister Otto Neuhoff).

Auf dem Balkon mit Solidaritätsfahne des Vereins 1700 Jahre jüdisches Leben: Sylvia Löhrmann und Bürgermeister Otto Neuhoff

Die Solidaritätsfahne des Vereins 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland mit Sylvia Löhrmann und Bürgermeister Otto Neuhoff

Die Solidaritätsflagge des Vereins „321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ wurde am Bad Honnefer Rathaus gehisst, um ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen. Staatsministerin a. D. Sylvia Löhrmann, Generalsekretärin dieses Vereins, war nach Bad Honnef gekommen, um die öffentliche Veranstaltung zu begleiten und Gespräche zu führen. Die Aktion war Auftakt für das Projekt „Erinnerung und Gegenwart jüdischen Lebens in Bad Honnef“, das von Michael Lingenthal und Professor Rolf D. Cremer ins Leben gerufen wurde. Im nächsten Jahr 2022, dem Jubiläumsjahr der Stadt Bad Honnef, werden sich die Arbeitsgruppen des Projektes an den Festlichkeiten und Veranstaltungen beteiligen und sie mit organisieren. Die Arbeitsgruppen suchen noch Verstärkung und laden ein, mitzumachen.

Bürgermeister Otto Neuhoff begrüßte Sylvia Löhrmann und verwies auf die Resolution im Haupt- und Finanzausschuss vom 20.05.2021. Die Kommunalpolitikerinnen und –politiker hatten sich darin solidarisch mit der Synagogengemeinde Bonn erklärt und „den zutiefst verstörenden Angriff“ auf die Bonner Synagoge vom 11. Mai 2021 verurteilt. Weiter heißt es: „In unserer Stadt ist kein Platz für Antisemitismus.“ Sylvia Löhrmann erklärte, dass sich der Verein mit dem, so gab sie zu, langen Namen „321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ auf das Edikt des römischen Kaisers Konstantin bezieht, was besagt, dass Juden städtische Ämter in den Kurien, den römischen Stadträten, bekleiden durften. Das Edikt stammt aus dem Jahr 321, wodurch nachgewiesen ist, dass mindestens seit diesem Zeitpunkt Jüdinnen und Juden in Deutschland leben. Der Verein wolle, so Sylvia Löhrmann, jüdisches Leben sichtbar machen. Sie lobte, dass das Bad Honnefer Projekt auch im nächsten Jahr fortgesetzt werde.

Sylvia Löhrmann trug sich in das Goldene Buch der Stadt Bad Honnef ein und schrieb: „Herzlichen Dank für Ihren Beitrag zum Festjahr 2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“.

Rednerpult mit Michael Lingenthal im Foyer, Ausstellungswände dahinter

Michael Lingenthal stellte das Projekt “Erinnerung und Gegenwart jüdischen Lebens in Bad Honnef” vor.

Michael Lingenthal stellte den Teilnehmenden der Veranstaltung das Projekt „Erinnerung und Gegenwart jüdischen Lebens in Bad Honnef“ vor. Es wird von Bürgerinnen und Bürgern, Lehrerinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schülern getragen. Bürgermeister Otto Neuhoff hat die Schirmherrschaft übernommen. Die Namen der Opfer des Naziterrorregimes dürfen nicht vergessen werden, so Michael Lingenthal, sonst haben die verbrecherischen Machthaber von damals noch einmal gewonnen. Ein Schlussstrich unter das Thema könne es nicht geben.

Drei Arbeitsgruppen haben sich für das Projekt gebildet: Michael Lingenthal ist Mitglied der Gruppe, die die Synagogentafel in der Kirchstraße aus ihrem Schattendasein ans Licht der Öffentlichkeit holen und sie mit weiteren erklärenden Hinweistafeln ergänzen möchte. Tim Gretenkord, Lehrer an der Erzbischöflichen Gesamtschule Sankt Josef, ist in der Arbeitsgruppe „Stolpersteine 2.0“ federführend aktiv. Geplant ist eine digitale Seite mit Erläuterungen, um die Stolpersteine und das Thema auch auf digitalem Weg zugänglich zu machen. Schließlich gibt es die Arbeitsgruppe Kultur und Veranstaltungen rund um Christiane Lingenthal. Sie hat schon Pläne für Ausstellung und Konzerte für das Jubiläumsjahr 2022, um das bunte jüdische Leben von heute sichtbar zu machen.

Alltagsgeschichten von damals und viele kleine Erinnerung zu sammeln, so Michael Lingenthal, gehöre zum Projekt. Es sei noch Platz für weitere Ideen von Bürgerinnen und Bürger, die mitmachen möchten.

Rednerpult im Foyer mit Professor Rolf D. Cremer, Ausstellung im Hintergrund

Professor Rolf D. Cremer referierte zur Ausstellung über die Entstehung der Synagogentafel.

Professor Rolf D. Cremer stellte eine Ausstellung vor, die im Foyer des Rathauses noch bis zum 3. Dezember 2021 zu sehen ist. Sie erzählt die Geschichte der Entstehung der Synagogentafel in der Kirchstraße. Richard Vreden war einer der Initiatoren. Professor Rolf D. Cremer hatte nach dessen Tod eine alte Mappe von ihm gefunden mit allen Dokumenten und Zeitungsauschnitten zur Entstehung der Synagogentafel. 80 Personen hatten seinerzeit gespendet, 5 300 DM waren zusammengekommen und am 10.11.1979 war Einweihungsfeier gewesen. Die Ausstellung mit ihren rohen Daten sei ein Schulterblick, so Professor Rolf D. Cremer. Die wissenschaftliche Auswertung und die Auseinandersetzung müssen noch folgen.

Sylvia Löhrmann führte im Anschluss im Ratssaal noch ein nichtöffentliches Gespräch mit Schülerinnen und Schülern sowie jungen Menschen. In der Stiftung Konrad-Adenauer-Hause wurde sie danach empfangen.

Die Veranstaltung im Rathaus wurde musikalisch begleitet von der Musikschule der Stadt Bad Honnef – dem Querflötenensemble und den Harfengruppe – sowie Leiterin Antonia Schwager.

Jüdinnen und Juden, die heute in Deutschland leben, wollen ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft sein und keine Repressalien fürchten müssen. Die Auftaktveranstaltung und das Bad Honnefer Projekt selbst tragen dazu bei.

Wer mitmachen möchte oder etwas beisteuern kann, meldet sich bitte bei Christine Pfalz, Telefon 02224/184-121, E-Mail christine.pfalz@bad-honnef.de

Mehr Informationen zum Verein 321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland: https://2021jlid.de/